Malerei von Anne Fenchel

Werke

Vita

1949 Geboren in München

1969 Abitur und Studium

Abitur und Studium der  Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte an der LMU München

1971 Studium der freien Malerei und Grafik

Studium der freien Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Günther Fruhtrunk  und der Kunsterziehung bei Prof. Thomas Zacharias

1975-1977: Examen

1975 und 1977 1. Und 2. Examen für das Lehramt an Gymnasien

1977 – 2013 Lehrtätigkeit

1977 bis 2013 Lehrtätigkeit an verschiedenen Gymnasien in Baden-Württemberg

1983 Heirat mit Hartmut Fenchel

Heirat mit Hartmut Fenchel,  1983 und 1986 Geburt der beiden Kinder

1995 Einzelausstellung

Einzelausstellung in der Kreissparkasse Metzingen

1998 Ausstellungsbeteiligungen

Ausstellungsbeteiligungen der Reutlinger Künstler

1999 Einzelausstellung

Einzelausstellung in der Altstadtgalerie in Reutlingen

2000 Ausstellungsbeteiligungen

Ausstellungsbeteiligungen der Reutlinger Künstler

2004 Einzelausstellung

Einzelausstellung in der Kreissparkasse Grafenberg

2015 Einzelausstellung

Einzelausstellung in der Kreissparkasse in Metzingen

Presse

Abstraktion und Körperlichkeit

Impressionen, Expressionen, Spiele und Studien mit Farbe und Form – die Bilder von Anne Fenchel in der Kreissparkasse Metzingen sind Auseinandersetzungen mit dem Sehen und dem Gesehenen. Wahrnehmung betrifft nicht  nur das Abbildbare, und so finden sich neben den Gegenständen selbst Spuren von Überschreitung, Auflösung. Material und Farbe kreieren eine erweiterte Welt, die ihre eigenen Bezüge, Gesetzmäßigkeiten und ihr eigenes Chaos kennt. Nicht zuletzt ist das der Ursprung der Abstraktion in der Kunst, und ein wenig erzählt Anne Fenchel diese Geschichte wieder  und auf ihre Weise.

Neben Landschaftsausschnitten und zu Stillleben arrangierten Gegenständen gilt ihr Interesse der Figur, Menschen als  „Sitzende“, „Wartende“ oder „Liegende“. Den vielleicht klassischsten aller Rückenakte der Kunstgeschichte, die „Badende“ von Ingres, überarbeitet sie, setzt über Farbverschiebungen neue Akzente. Haut und Haube der Frau korrespondieren miteinander. Es geht nicht mehr um Perfektion, sondern um ausprobieren bis eine neue, bildimmanente Stimmigkeit erreicht ist.

„Meteora“ zeigt einen Ausschnitt der nordgriechischen Felsformationen, die ihrerseits schon wie abstrakte Formen im Raum wirken. Durch ein zusätzliches Element wird die Ansicht zu der Komposition „Kontrollierter Aufbruch“.  Kandinsky, Klee und andere Klassiker der Moderne stehen Pate bei solchen Schritten, doch sind es letztlich Anne Fenchels eigene Stimmungswelten, die die 46-jährige Kunsterzieherin aus Metzingen in ihren Bildern erzeugt. Dies kann mit kräftigen Farben geschehen, schwungvoll oder mit Pastelltönen;  die meisten Bilder sind ausdrucksstark. Im Ambiente der Kreissparkasse gelangen sie allerdings kaum zur vollen Entfaltung. Vieles  müsste man aus größerem Abstand betrachten als es die Enge der Stellwände zwischen den Schaltern zulässt.

Die „Liegenden“ I bis IV, eigentlich „Liebende“  sind schöne Studien zweier verschlungener Körper im Raum. Mal werden diese zu einem nicht weiter zu differenzierenden Knäuel, das entfernt an Bacons Darstellungen desselben Themas erinnert. Ein anderes Mal ist die Auflösung der Grenzen gegenüber dem Raum betont. Variante IV ist wie ein Frühlingsrausch aus zarten Farben und Licht.

Reutlinger General-Anzeiger, 7. Dezember 1995, Christine Wawra

Abstraktion und Körperlichkeit

Beherrschte Gegensätze – Malerei von Anne Fenchel in der Altstadt-Galerie in Reutlingen

Anne Fenchels Bilder  reizen zu Interpretationen. Im weiten Feld zwischen menschlicher Figur und freien abstrakten Formen öffnet ihre Malerei Räume, in denen sich Dinge abspielen, die man zu kennen glaubt: Anziehung, Trennung, Abkehr, Verbergen und Aufbrechen, Tag und Nacht, Zuneigung und Aggression. Die Öl-und Acrylbilder der Malerin und Kunsterzieherin, die in Grafenberg lebt, sind derzeit in der Reutlinger Altstadt-Galerie, Mauerstr. 26, ausgestellt. Durch ihre Bild-Titel regt sie zusätzlich die Phantasie des Betrachters an, sich einen Reim auf das zu machen, was er sieht. Dass sein Blick überhaupt hängen bleibt, ist der besonderen Kraft dieser Malerei zu verdanken.

Es geht Anne Fenchel, so darf wohl zu Recht vermutet werden, um die Malerei an sich. Um das Gewicht der Farbe, um die Spannung der Form, um die Chance, mit der Komposition Gefühle und Gedanken zu wecken und zu lenken. Ihre eigene Suche nach Endgültigkeit geht dabei in die Bilder ein: Schicht um Schicht baut sie sie auf. Manchmal nimmt sie wie eine Restauratorin eine Farbschicht ab, um die darunterliegende wieder zum Vorschein zu bringen, mitunter malt sie auch so lasierend, dass der Untergrund durchscheint.

Die Qualität der Malerei ist frappant. Mehr aber noch Anne Fenchels Fähigkeit, die nicht selten auseinanderstrebenden, sich reibenden und sich abstoßenden Elemente letztlich immer zu bändigen. Dr. Maike Christadler bezeichnete bei der Vernissage die Wirkung der Bilder als  „meist sehr beherrscht“ und erklärte dies durch die gemäßigten Farben. Blau und Grau herrschen vor. Und Anne Fenchel setzt mit sicherer Hand die Farbwerte, so dass sie sich „vertragen“, aber auch, dass sie sich verstärken wie zum Beispiel in dem Bild „Rotglas“, das intensivst leuchtet oder im schrillen, Schwarz und Gelb kontrastierenden „Wald“, aus dem man den Zorn über die Umwelt-Zerstörung herauszulesen glaubt.

Hervorzuheben ist auch, wie  virtuos Anne Fenchel das Thema Raum behandelt. Da gibt es eine offenbar schon etwas ältere Gruppe von „Liegenden“, die mit der „Gelben Landschaft“  von 1995 in Verbindung stehen. Zunächst faszinieren die Silhouetten der „Liegenden“, die  wie es scheint immer ein Paar sind, ein liebendes Paar. Während das erste in einem genau mit Wänden bezeichneten Zimmer gemalt ist, könnte das zweite auf einer Wiese unter einem hohen Himmel liegen, denn seitliche Bildbegrenzungen gibt es nicht mehr. Im dritten Bild ist der Raum imaginär geworden, nur noch hellgelber Hintergrund. Aber die Figuren sind dennoch fest verankert  in diesem Licht-Raum, obwohl sie eigentlich schweben.

Verblüffend ist auch, wie das aus jüngster Zeit stammende abstrakte Bild  „Wagnis“ aus der Farbe heraus Tiefe gewinnt. Und auch wie in den drei Acrylbildern mit dem Titel „Südöstlich“ die Formen wie in klassischen Stilleben plastisch erscheinen.

Reutlinger General-Anzeiger, 14. Juli 1999, Monique Cantrè

Beherrschte Gegensätze

Zwischen Assoziation und Rätsel der Formen

Nicht ohne Grund bevorzugt Anne Fenchel in ihren Arbeiten den Werkstoff Öl. Schicht für Schicht wird die Farbe langsam aufgetragen, im Entstehungsprozess teilweise wieder abgekratzt, verwischt oder übermalt. Am Anfang steht der bloße Gedanke, weder endgültige Bildvorstellung noch Titel sind zu diesem Zeitpunkt vorhanden. Scheinbar aus dem Zufall entstehen schließlich bizarre Gebilde, die ihre Wirkung vor allem auch durch die Oberflächenstrukturen erzielen – hervorgerufen durch Spachtel und Messer, finden in den Bildern von Anne Fenchel oft scharfe Spuren, die tiefere Schichten zum Teil wieder zum Vorschein bringen.

Im Gegensatz zum Surrealismus der Landschaftsbilder früherer Tage fand Fenchel für sich zudem einen neuen Ansatz: Die Ausdrucksmöglichkeit der Farbe. Produkt der „dramatischen Bilderzeugung“, wie Dr. Felix Muhle den Malprozess in seiner Einführung attribuierte, sind Gemälde, die in der Deutung der Formen und Gegenstände Rätsel aufgeben, zugleich aber mit ihrem assoziativen Charakter Dinge erahnen und erspüren lassen. Bilder wie „Mondfinsternis“ oder „Nonne und Muslimin“ verbinden Gegenständliches mit Ungegenständlichem, Diffuses mit Konkretem.

Fenchels Bilder laden mit ihren teilweise phantastischen Elementen den Betrachter ein, eigene Gedanken zu spinnen. Nichts ist fest, die Formen bleiben formbar, Dynamik bestimmt das Zusammenspiel der Farben und Figuren. Im Gemälde „Jusi“ offenbart sich die stete Bewegung im Bildgefüge vielleicht am deutlichsten: Was sich als heimischer Albtrauf scheinbar sofort erkennen lässt, entpuppt sich bei erneuter Betrachtung auf einmal als eine Reihe von Kopfprofilen.

Dennoch finden sich in den Arbeiten von Anne Fenchel, die in München ein Studium in freier Malerei und Grafik absolvierte, zahlreiche wiederkehrende Motive und Themen. Kannen, Flaschen, Tassen werden dabei oft von büstenähnlichen Kopfprofilen überlagert. Häufig wendet sich die Künstlerin auch der menschlichen Figur zu: Für Anne Fenchel der „faszinierendste Gegenstand der Malerei überhaupt“. Offenbart Fenchel nicht selten Anklänge an surrealistische Techniken, finden sich hier weitgehend realistische Studien.

Eine dritte Werkgruppe befasst sich mit der Darstellung liegender und schwebender Figuren: Bilder wie „Die große Schwebende“ oder „Die Liegende“ wecken Erinnerungen an Träume, an das Erleben von Dahingleiten und tiefer Ruhe. Für Dr. Felix Muhle offenbart sich hier das Besondere in den Arbeiten von Anne Fenchel: Eine Art Synthese aus malerischer Figuration und leicht phantastischen Elementen“. Zugleich zeige die Dynamik der Grundfarben in eine vielversprechende Richtung.

Zu sehen ist die Ausstellung „Anne Fenchel“ noch bis zum 15. Dezember in der Kundenhalle der Kreissparkasse.

Südwestpresse Metzinger-Uracher Volksblatt, 20.11.1995, Niklas Ihssen

Zwischen Assoziation und Rätsel der Formen